Pages to review:

Medizinische Fachartikel

Hoher Fruchtzucker-Konsum macht großes Herz

Noch vor nicht allzu langer Zeit galt Fruchtzucker (Fruktose) als gesunde Zuckerart, stieg der Blutzucker nach dem Verzehr doch nur gering an. So wurde auch Typ-2-Diabetikern früher empfohlen, Fruktose als Alternative zu Haushaltszucker zu verwenden.

Heute wissen wir, dass ein hoher Verzehr an Fruktose fatale Folgen haben kann, da sie nicht nur den Harnsäurespiegel im Blut ansteigen lässt, sondern insbesondere die Entstehung einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (Non-Alcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD) fördert.

Die NAFLD gilt als neue Volkskrankheit und steht im Zentrum der sogenannten Zivilisationserkrankungen Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, arterielle Hypertonie und Koronare Herzerkrankungen (KHK).

Die heimlichen Fruktose-Quellen

Dabei steht nicht primär der Obstverzehr am Pranger. Die größten Fruktose-Quellen sind heute Softdrinks, Frucht-Smoothies sowie Fruchtsäfte und zunehmend auch mit Glukose-Fruktose-Sirup gesüßte Getränke wie auch Lebensmittel.

Und was leider zumeist vergessen wird: Unser Haushaltszucker Saccharose ist ein sogenannter Zweifachzucker. Er besteht jeweils zur Hälfte aus Glukose (Traubenzucker) und Fruktose. Süßliebhaber sorgen folglich ganz unbewusst für eine regelrechte Flut an Fruktose.

Die Studie von Mirtschink et al., die in der Zeitschrift Nature (2015)* veröffentlicht wurde, identifiziert nun die Fruktose zusätzlich als einen wesentlichen Treiber für unkontrollierten Wachstum des Herzmuskels, was bis hin zum Herzversagen führen kann. Wenn den Zellen des Herzmuskels neben Glukose auch Fruktose zur Verfügung steht, kann eine dramatische Kettenreaktion ausgelöst werden, die zu einer krankhaften Vergrößerung des Herzmuskels führen kann.

Nie mehr Obst?!

Es geht keineswegs darum, ab sofort Obst zu meiden. Dafür sind die enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe, von denen die Wissenschaft viele noch nicht erforscht hat, viel zu wertvoll für uns. Obst sollte jedoch immer gegessen und nicht getrunken werden, da nur so beispielsweise auch die wichtigen Ballaststoffe aufgenommen werden. Über diese freut sich nicht nur unser Darm, sie verhindern auch eine zu schnelle Anflutung des enthaltenen Zuckers ins Blut.

„Fünf am Tag“

Meiden Sie daher zuckergesüßte Getränke, Obstsäfte und Frucht-Smoothies. Achten Sie bei Ihrer Vitalstoffzufuhr auch immer auf eine ausreichende Zufuhr an ballaststoffreichem Gemüse. Nicht umsonst heißt es bei der Empfehlung „Fünf am Tag“, man solle fünf Portionen Gemüse und Obst – und nicht Obst und Gemüse – zu sich nehmen. So entfallen drei Portionen auf das Gemüse und nur zwei auf das Obst. Eine Portion Gemüse entspricht einer Handvoll, bei Salat und Obst sind es zwei Hände voll.

Die mediterrane Ernährung nach der Flexi-Carb-Pyramide trägt diesen Erkenntnissen Rechnung. Als Basis werden zu jeder Mahlzeit wasser- und ballaststoffreiche natürliche Lebensmittel mit vielen Nährstoffen wie Gemüse, Salat, Pilze und zuckerarmes Obst (Beeren, Apfel, Zitrusfrüchte und Wassermelone) empfohlen, ergänzt um wertvolle Eiweißlieferanten (beispielsweise Milch und Milchprodukte, Eier, fette und magere Fische, Meeresfrüchte, rotes Fleisch und Geflügel) und gute Fettsäuren aus Ölen, Butter, Oliven, Avocado und Nüssen.

* Mirtschink P et al. HIF-driven SF3B1 induces KHK-C to enforce fructolysis and heart disease. Nature 2015;522(7557):444-9.