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Ernährung

Eiweiß – der Nierenschädling?

Ein Mythos, der sich seit Jahrzehnten hartnäckig hält und dem sogar einige Ärzte noch immer Glauben schenken. Bei folgender Empfehlung sollten Sie zukünftig sofort hellhörig werden: Eine tägliche Eiweißzufuhr von nur 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht ist vollkommen ausreichend. Denn was viele nicht wissen: Diese Menge entspricht nur dem Minimalbedarf – und minimal ist nicht optimal!

Eiweiß ist lebensnotwendig

Eiweiß wird für den Aufbau sämtlicher Körperstrukturen wie Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und Organe benötigt. Darüber hinaus ist es ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.

Da der Körper Eiweiß jedoch nicht speichern kann, müssen Sie Ihren Bedarf täglich über die Nahrung decken. Eiweiß steckt vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten.

Und nicht zu vergessen: Eiweißreiche Lebensmittel sättigen nicht nur besser, sondern auch länger und sind somit gut für die Figur.

 Ernährungsmediziner Dr. med. Hardy Walle

 

Die gesunde Niere ist tolerant und anpassungsfähig

Beim Um- oder Abbau der Eiweißbausteine, der sogenannten Aminosäuren, entsteht Ammoniak. Dieser wird in Form von Harnstoff über die Nieren ausgeschieden. Heute weiß man, dass gesunde Nieren sogar mit großen Mengen Eiweiß problemlos zurechtkommen. Sie passen sich dem Bedarf einfach an, indem sie sich leicht vergrößern und ihre Filtrationsleistung erhöhen.

So könnte eine 80 kg schwere gesunde Person theoretisch sogar bis zu 200 g Eiweiß pro Tag genießen. Dies entspricht beispielsweise circa 880 g Rinderfilet, 1 kg Lachs oder 25 Eiern. Ideal sind täglich 1,2 bis 1,5 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Sie können Ihre Nieren bei deren Arbeit unterstützen, indem Sie genügend Wasser trinken.

Wissenswert

Erst wenn die Nieren bereits geschädigt sind wie beispielsweise durch einen dauerhaft hohen Blutzuckerspiegel bei Diabetes, muss die Eiweißzufuhr angepasst werden. Die Entgiftungsfunktion, sprich die Ausscheidung von Eiweißabbauprodukten, Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin, ist gestört. Hier gilt in jedem Fall die Empfehlung des Nephrologen, des Nierenfacharztes.

Echte Nierenschädlinge

Zu den größten Feinden jeder Niere gehören ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel bis hin zu Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck. Die Ursache hinter diesen Erkrankungen ist hausgemacht: unser bequemer Lebensstil, bestehend aus Überernährung und zu wenig Bewegung.

Kaum zu glauben, aber wahr: Wer in dieser Situation ist, sollte auf mehr Eiweiß und gutes Fett setzen, Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln oder Kartoffeln im Gegenzug verringern und das Ergebnis sind weniger Blut-zuckerspitzen und eine Senkung des Blutdrucks. Da freuen sich auch die Nieren!

So sollte Ihr Teller aussehen:

Die Basis bilden Gemüse oder Salat. Sie füllen den Magen, liefern Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Ebenso gehört ein wertvoller Eiweißlieferant zu jeder Mahlzeit. Wählen Sie frei zwischen Eiern, Milchprodukten, Fisch, Fleisch oder Hülsenfrüchten. Ideal sind pro Mahlzeit rund 30 Gramm Eiweiß. Kohlenhydrate sollten Sie sich „verdienen“. Das heißt: Bei wenig Bewegung sind sie Luxusbeilage – wer sich viel bewegt, darf sich auch mal Brot, Pasta und Kartoffeln gönnen. Verfeinert wird alles mit gutem Fett wie Olivenöl – nicht zuletzt wegen des guten Geschmacks.